5
[5] Zero’s Zaubertüte – Mal des Ninja

Wer wollte nicht auch schon durch das Mondlicht schleichen oder in einer Rauchwolke verschwinden, eure Gegner mit eurem Schwert in zwei Hälften trennen oder mit Wurfmessern elektrische Stromkreise außer Gefecht setzen?
Ein Indie-Game namens „Mark of the Ninja“ ist dann wohl das absolut richtige.

  • Name: Mark of the Ninja
  • Entwickler: Klei Entertainment
  • Publisher: Microsoft Studios
  • Genres: Action-Adventure
  • Plattformen: Windows (Steam, Veröffentlichung: 16.10.12), Xbox 360 (Xbox Live Arcade, Veröffentlichung: 07.09.12)
  • Sprachen: Vertonung: Englisch; Bildschirmtext: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch
  • USK 16

 

Plot:

Die alte Tradition der Ninja wird von moderner Technologie und Feuerwaffen bedroht. Um dem entgegenzuwirken, entschließt sich der namenlose Protagonist dazu, das erste Zeichen des Ninja anzunehmen, was für den Außenstehenden nichts anderes als ein Tattoo auf seinem Körper ist. Jedoch wird dafür eine spezielle Tinte verwendet, die dem Träger eine unglaubliche Wahrnehmung verleiht, ihn aber auch in nicht allzu kurzer Zeit in den Wahnsinn treiben wird. Aus diesem Grund müssen auch alle Träger versprechen Selbstmord zu begehen, wenn es soweit kommen sollte. Während der Zeremonie allerdings wird der Meister des Clans, Azai, von bewaffneten Truppen entführt und es wird zu eurer ersten Aufgabe eben jenen wieder zu befreien und Karajan, den Anführer der Männer zu finden und zu töten. Dabei und auch im restlichen Verlauf des Spiels steht euch eine Kunoichi namens Ora zur Seite, die die Gedanken des stummen, namenslosen Helden äußert und die Geschichte und Missionsaufträge vorantreibt. Und schließlich warten noch einige spannende Twists in der Geschichte auf euch entdeckt zu werden.

 

Gameplay:

Mark of the Ninja setzt während des gesamten Spiels auf Tarnung und Intrige (sogenannte Stealth-Elemente). Es ist wesentlich besser still und leise, aber auch klug und schnell zu agieren. Ihr könnt zwar tatsächlich in den offenen Kampf gehen, werdet aber gegen mehr als einen Gegner immer versagen. Stattdessen müsst ihr euch nur hinter einen Gegner platzieren und zack liegt er niedergestreckt auf dem Boden. Ein paar gezielte Stiche mit eurem treuen Freund, dem Katana, und schon ist der Weg freigeräumt. Das hört sich leichter an, als es dann tatsächlich an vielen Stellen ist. Denn die Wachen sind natürlich aufmerksam und können auch Alarm auslösen. Eine zurückgelassene Leiche, das unachtsame Betreten eines Lichtkegels oder ein zu lauter Schritt kann euch viel schneller den Kopf kosten, als ihr es vielleicht aus anderen Spielen gewohnt seid.
Im Laufe des Spiels schaltet ihr nicht nur die weiteren Zeichen des Ninja frei, sondern erhaltet auch Zugriff auf diverse Ninjawerkzeuge, die euch das Leben erleichtern sollen (wie z.B. Rauchbomben zur Tarnung oder Krachmacher zur Ablenkung). Mit einem Enterhaken erreicht ihr auch schnell weitentfernte Ziele. Eure Kunai (Wurfmesser) sind zu schwach, um eine Wache zu verletzen, können diese allerdings ablenken oder auch Lampen zerstören, um eure Chancen ungesehen zu agieren, zu vergrößern.
Das Ganze ist eingebettet in einen 2D-Sidescrolling-Platformer mit Line-of-Sight-Mechanik, was in sich ein vollkommen schlüssiges und auch durchdachtes Konzept ist. Es mag am Anfang etwas ungewohnt sein, aber es passt sehr gut zu dem Rest des Spiels.
Darüber hinaus gibt es in jedem Level drei sogenannte Siegel, Nebenquests, die manchmal ganz schön knifflig zu lösen sind, euch aber beim Erweitern eures Charakters mit Ninjawerkzeugen wertvolle Punkte bringen. Ansonsten kann man solche Punkte noch durch das Auffinden der drei Schriftrollen in jedem Level und das geräuschlose Töten vieler Gegner bekommen.

 

Grafik: 

Licht-Schatten-Dynamik

Der Grafikstil ist leicht comichaft gehalten, was sicherlich auch sehr zur Atmosphäre des Spiels beiträgt. Es wirkt jedenfalls nicht fehl am Platz. Dazu kommen solche beeindruckend einfallsreichen Effekte wie eine Licht-Dunkelheit-Mechanik. Solange ihr in den Schatten steht, seid ihr nicht nur für Feinde unsichtbar, die nicht direkt vor euch stehen, sondern euer Charakter färbt sich – von den rot leuchtenden Tattoos einmal abgesehen – komplett schwarz. Erst wenn ihr wieder im Licht seid, kann man den namenlosen Ninja und seine Kleidung deutlich sehen (was in diesem Spiel natürlich vergleichsweise schlecht ist). Eine andere nette Idee ist die Sichtbarkeit von Tönen. Eine Wache die hinter einer Wand patrouilliert, muss nicht unbedingt sichtbar sein, aber ihr könnt seine Schritte „hören“ (dargestellt als kleine Kreiswellen). Es ist auch ab und zu hilfreich darauf zu achten, dass kein Gegner in Hörreichweite ist, bevor ihr eure Fallen aufstellt, was ebenfalls durch einen Kreis verdeutlicht wird.
Einige Zwischensequenzen erzählen die Geschichte und sind ganz nebenbei auch relativ hübsch anzusehen.

Der Lärm eines Kunais wird durch den Kreis markiert, …
… was ihr auch zu eurem Vorteil (z.B. Ablenkung) nutzen könnt.

 

Sound:

Ähnliches wie für die Grafik gilt auch für die Musik bei diesem Spiel. Mark of the Ninja weiß die Atmosphäre und die Spannung gut mit dem Sound zu verbinden. Es ist einfach nur stimmig und man wird schon auch einmal aufgeschreckt, wenn eine Wache den Alarm auslöst, weil ihr einen Fehler begangen habt.
Darüber hinaus sind nicht nur die Zwischensequenzen, sondern alle Dialoge (zwar nur auf Englisch, aber immerhin) vertont. Auch hier können die Sprecher gut punkten und die Atmosphäre erweitern.

 

Steuerung:

Die doch sehr komplexe Steuerung ist für viele wohl am Anfang etwas ungewohnt. Für die Xbox muss man sich nur ein wenig einspielen, doch am PC fragt man sich ab und zu, warum die Steuerung nicht besser sei. Tatsächlich ist es die bestmögliche Lösung, aber keine sonderlich überragende. Gerade hier bin ich wohl ein bisschen pingelig, aber irgendeinen Kritikpunkt brauche ich doch noch, oder? Glücklicherweise kann man die Portierung auf den PC auch wieder rückgängig machen, denn die Steam-Version unterstützt komplett die Steuerung mit einem Xbox-Kontroller.

 

Preis-Leistungs-Verhältnis:

Mit knapp 15€ (bzw. 1200 MS-Points) findet sich Mark of the Ninja schon unter den teureren Indie-Titeln, aber es ist sein Geld auf jeden Fall wert. Es ist sicherlich eines der besten Spiele der letzten Monate und wird auf alle Fälle fesseln. Nach erstmaligem Durchspielen schaltet ihr darüber hinaus einen neuen Schwierigkeitsgrad frei, der nicht nur die KI der Gegner erheblich verbessert, sondern auch oben beschriebene Sichtbarkeit von Tönen ausschaltet, was – sollte man sich erst einmal daran gewöhnt haben – eine erhebliche Umstellung benötigt. Ein weiterer Run ohne auch nur eine Wache zu töten oder den Alarm auszulösen, ist noch eine zusätzliche Herausforderung für die ganz Harten.

 

 

FAZIT:

Für mich persönlich zählt Mark of the Ninja unter die besten Spiele aller Zeiten und man sollte sich es auf alle Fälle einmal anschauen. Leider gibt es keine Boxversion, die man unter den Weihnachtsbaum legen könnte, aber als großartiges Geschenk eignet es sich trotzdem super. Ich kann nur diverse andere Reviews bzw. den Trailer zitieren: „Mark of the Ninja ist der neue Maßstab für Stealth-Games.“

Dafür gibt es doch gerechtfertigte 4,8/5 Punkten.