Let’s Essay: Das Phänomen Let’s Play

YouTube ist die größte Videoplattform der Welt. Tausende Videos werden täglich hochgeladen und angeklickt. Inzwischen kann man als sogenannter „YouTuber“ Geld verdienen. Es ist also viel mehr als eine einfache Videoplattform. YouTube ist zu einer Geldquelle und Werbeplattform geworden. Menschen werden durch YouTube berühmt (gemacht). Bands promoten ihr Album, Gruppen wie Y-Titty präsentieren ihre Sketches und zaubern (zumindest fast) jedes Mal ein Lächeln auf unser Gesicht.

Doch eine stetig wachsende Randgruppe darf man nicht vergessen: Die Let’s Player! Die Let’s Plays eröffnen eine ganz neue Möglichkeit für Spiele zu werben.  So lässt Daedalic Entertainment die von ihnen entwickelten Spiele von Gronkh let’s playen. Bislang mit großem Erfolg, denn Titel wie „Deponia“ oder „Edna bricht aus“ hatten einen richtigen Verkaufsboom, nachdem Gronkh sein Let’s Play dazu veröffentlicht hatte. Seitdem gibt es einen großen Andrang an neuen Let’s Playern. Nun werfen sich Fragen über Fragen auf. Was wollen sie erreichen? Den ganzen Tag zocken, um damit irgendwann reich zu werden? Den Verkauf ihres Lieblingsspiels ankurbeln? Oder werden sie sich irgendwann alle zusammenschließen, um die Welt zu beherrschen oder das größte Let’s Play Together der Welt zu erschaffen?

Nun zuerst sei gesagt, dass die Kunst des Let’s Playens gar nicht so einfach ist, wie sie scheint. Ein Headset und einen PC mit Spielen zu besitzen reicht bei weitem nicht aus. Nein, man benötigt des Weiteren Stimmbänder, die man auch in einem oft dauerhaften Redefluss (möglichst ohne äh oder ähm) mit etwas Ironie nutzt. Nicht zuletzt sind Spaß am Spiel und Durchhaltevermögen und Geduld wichtige Faktoren zum Erfolg.

Wozu dient denn eigentlich so ein Let’s Play? Ein Let’s Play gilt als ein Walkthrough mit Audiokommentar. Man spielt also ein Spiel durch und gibt dabei seine Eindrücke wieder, dabei gibt es den ein oder anderen witzigen Kommentar. Im Grunde genommen sollen sie anderen Spielern Einblicke in ein Spiel liefern. Der Let’s Player ist sozusagen der öffentliche Vortester für Spiele.

Hier kommt der Werbefaktor ins Spiel. Viele Spieler wollen erst sehen, wie ein Spiel ist. Gibt es etwas Neues in dem Spiel? Wie ist die Steuerung? Um was geht es in dem Spiel überhaupt? Hier ist ein komplett neuer Weg der Werbung entstanden. Spiele mit Multiplayermodus haben einen weiteren Vorteil. Wenn dieser (nach Meinung des Spielers) ausgereift ist, kauft man sich das Spiel, in der Hoffnung vielleicht mal mit einem der großen Let’s Player zusammenzuspielen. Als Beispiel nenne ich hierfür Pewdiepie’s Let’s Play zu „Garry’s Mod“, als ihm mehrere Spieler hinterher gerannt sind. Außerdem werden Spiele so bekannt gemacht. Gerade für Indiegames ist dies ein Riesenvorteil. Sie können sich so in der Gamercommunity festigen. So hat Pewdiepie das erste Video zu Slender hochgeladen, das jetzt schon ein Kultspiel unter Horrorfans ist. Ebenso gilt dies bei Titeln wie Amnesia, Minecraft oder diversen Half-Life 2 Mods.

Natürlich kann man denken, dass Leute sich die Spiele gar nicht kaufen werden, wenn sie doch ein Let’s Play dazu haben. Doch das ist leicht zu widerlegen. In der Musik kauft man sich in der Regel auch die Single oder gar das Album eines Künstlers, wenn man es mal im Radio gehört hat oder heutzutage im Internet (auchmal wieder YouTube) antrifft, wobei man im Internet dann direkt auf eine Seite (meistens ITunes) klicken kann, auf der man den Track gleich kaufen kann.

Wie vorher bereits genannt, gibt es immer mehr Let’s Player, die ihre Let’s Plays auf YouTube hochladen, viele in der Hoffnung einmal damit Geld verdienen zu können. Dabei wird von vielen die Arbeit „hinter den Kulissen unterschätzt“. Let’s Playen ist nämlich sehr zeitintensiv, gerade wenn man viele Abonnenten hat, die auf Videos warten. Man muss sich zuerst ein Aufnahmeprogramm zulegen, das dann die Stimme nicht zu Unerkenntlichkeit verzerrt. Das ganze muss man noch mit einem Mikrofon verbinden, das wiederum die eigene Stimme aufnimmt. In der heutigen Zeit kommt man an Mikro und Aufnahmeprogramm ganz einfach ran. Ein Programm zum Schneiden und Bearbeiten sind dann die letzten Hürden. Dann braucht man (falls nicht schon vorhanden) einen YouTube-Account und lädt das Video hoch, so dass sich die ganze Welt eben erfreuen kann. So kommt es, dass auch der ein oder andere nicht so begabte „Let’s Player“ sein Video auf YouTube hat (am Anfang hören sich ziemlich alle Let’s Player unbegabt an, also keine Angst).

Da kommt es natürlich auch irgendwann zu einem Überfluss an Let’s Playern, oder? Gronkh äußerte sich folgendermaßen dazu: „Beispiel: Wursttheke. Du stehst an der Wursttheke. […] Du hast eine Million Wurstsorten. Welche sollst du nehmen? Das ist halt die Frage. Da nimmst du natürlich die, die du kennst, wahlweise, wo du weißt, die schmecken dir oder du nimmst gleich den Käse.“ (Gronkh bei High5TV „Sach was zu Let’s Plays“ 13.1.2013) Ein passendes Beispiel, dem ich mich nur anschließen kann. Daran können sich die ganzen YouTube-Kommentar-Trolle ein Beispiel nehmen, damit sie sich zukünftig nicht mehr auf YouTube „verirren“ und andere User mit ihren gedanklichen Ergüssen nerven.

Um das ganze zum Ende zu bringen, kann man das Phänomen Let’s Play als weit mehr bezeichnen als einfach nur einen vorübergehenden Trend. Es ist DIE neue Art der Werbung, wenn es um Spiele geht. Nebenbei hat das ganze einen enormen Spaßfaktor sowohl für den Let’s Player (vorausgesetzt er spielt nicht gerade Slender) und den Zuschauer. Die Möglichkeit damit eventuell einmal Geld zu verdienen, bleibt eher im Schatten und interessiert auch nur „schlechte“, im Klartext geldgeile, Let’s Player. Let’s Plays bleiben zumindest für mich eine großartige Sache und werden mit Sicherheit einen großen Einfluss auf die Gamerszene haben.

 

 


Redakteur

Kommentare sind geschlossen.